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Archive for Dezember 2009

Heute habe ich in der Weihnachtsausgabe der Süddeutschen Zeitung folgendes Stellenangebot vorgefunden:

Sofort musste ich an Robert Walser und seinen Roman „Jakob von Gunten“ denken. Das Buch ist genau vor 100 Jahren erschienen und schildert in Tageaufzeichnungen die Zeit, die Jakob von Gunten in einer Dienerschule, dem Institut Benjamenta, verbrachte. Robert Walser würde es sehr amüsieren diese Anzeige heute zu lesen.
Streicht man z.B. den Begriff „computerversiert“ so könnte man meinen, die Annonce nach dem erforderlichen Personal sei wirklich etwas zu spät gekommen. Aber scheinbar gibt es noch Bedarf für diese Dienerschaft.

Ich wünsche allen Bewerbern viel Erfolg!

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Verregnet war der Heilige Abend in Mainz. Nach dem überraschenden Wintereinbruch am vergangenen Wochenende ist der Schnee jetzt schon wieder weggeschmolzen. Eigentlich definiert sich Weihnachten ja nicht über das Wetter, aber die visuellen Eindrücke nehmen doch den größten Einfluss auf unser Gefühls- und Stimmungsverhalten.

Nun gut, das Jahr kommt zu seinem Ende. In den Zeitungen liegen schon vereinzelt die Jahresrückblicke bei. Man wird erinnert an den plötzlichen Tod von Michael Jackson. Wer erinnert sich noch daran, dass auch in diesem Jahr Charlie Mariano mit 85 Jahren gestorben ist?  Ein Musiker, der es verdient hätte um ein vielfaches bekannter zu sein als eben jener Jacko. Ebenfalls haben uns die Schriftsteller John Updike und Hugo Loetscher* verlassen. Sehr schade, denn bestenfalls wird man noch Veröffentlichungen aus dem Nachlass von ihnen zu lesen bekommen.
Achtzig Jahre alt geworden wäre Chet Baker  vor einigen Tagen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen wie er ausgesehen hätte mit 80 Jahren.

Man wird erinnert an das Geschehen auf Kriegsschauplätzen, Amokläufen in deutschen Schulen mit Todesfolgen und an andere Katastrophen.
Kulturelle und sportliche Höhepunkte dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Mich beschäftigen in den letzten Wochen einige Bücher von Philip Roth und Dieter Wellershoff.
Dieter Wellershoff hat mit „Der Himmel ist kein Ort“ ein sehr kluges Buch geschrieben.  Ein Buch, das einen jungen evangelischen Pfarrer in den Fokus nimmt und in dem der Autor mit 84 Jahren seine ganze Weisheit und Lebenserfahrung einbringt. Er stellt uns an die Seite des Pfarrers und lässt uns mit ihm an seiner nahezu ausweglosen Situation teilhaben und daran verzweifeln, dass wir wenn es darauf ankommt, doch oft auf uns alleine gestellt sind.  Wellershoff lässt den Pfarrer einen Kongress besuchen und u.a. sehr theologie-kritische Vorträge anhören.

Von Philip Roth wurde jetzt der Roman Portnoys Beschwerden neu übersetzt. Die erste Veröffentlichung liegt etwa 40 Jahre zurück. Hier erfahren wir über die Mitteilung des Alexander Portnoy an seinen Psychiater wie sehr er im Kopf von Kleinkind an von Sex besessen ist und wie der dies als Kind, Jugendlicher und junger Erwachsener auslebt. Als Sohn jüdischer Eltern gerät er früh in Gewissenskonflikte zwischen den Erwartungen des Elterhauses und dem neurotischen Verlangen. Jeder Mann, der dieses Buch als Erwachsener liest, sollte sich, wenn auch nur in kleinen Ausschnitten an das eigene Verlangen, mitunter die engene Verzweiflung in Kindheit, Pubertät und Adoleszenz erinnern können. Und Frauen werden Einblicke in das offene sexuelle Verlangen und Vorstellungsvermögen während der männlichen Entwicklung gegeben. Einfach verrückt!!!

Mit Jedermann führt uns Philip Roth zwei Lebensabschnitte weiter uns lässt mit seinem Protagonisten dessen Lebensstationen revue passieren und an der Angst vor Gebrechlichkeit und körperlichem Versagen im Alter teilhaben. Erschütternd und doch sehr wahrhaftig. Und natürlich richtig gut geschrieben.

Mit diesen Büchern lässt sich sehr viel erfahren, nahezu der gesamte menschliche Kosmos des modernen Menschen. Und das ist ja nicht wenig.

Mit diesen Gedanken möchte ich schließen und allen Lesern ein gutes Jahresende und alles Gute für das, hoffentlich für uns alle, schöne und interessante Jahr 2010 wünschen.

* irrtümlich wurde hier Walter Kempowski (bereits 2007 verstorben) genannt

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Es mehren sich die Hinweise darauf, dass das zumal von seinen Aktivposten gefeierte Web 2.0 in eine Akzeptanz-Krise geraten ist. Grund für den ruchbaren Niedergang des Mitmach-Netzes ist nicht das kulturpessimistische Lamento des „FAZ“-Herausgebers Frank Schirrmacher, der in seinem neuen Buch „Payback“ (Blessing Verlag) das Internet generell zeiht, es mache süchtig, sei der Konzentration abträglich und zermansche das Hirn wie sonst nur harte Drogen. Grund für die miese Sozialprognose, die virtuellen Netzwerken gestellt wird, sind vielmehr Zahlen, die vom Niedergang interaktiver Beteiligung künden.

via Das Prinzip Offenheit läuft sich tot – Nachrichten welt_print – Kultur – WELT ONLINE.

Alles Neue erzeugt zunächst einmal einen Hype, denn möglichst viele möchten daran teilhaben. Wer will schon irgendwo nicht dabeisein wollen? Wenn es jetzt, wie hier in der WELT berichtet, zu rückläufiger Teilnahme kommt, ist das noch kein Indiz für den baldigen Niedergang dieser sozialen Dienste. Unter der Vielzahl der Angebote wird nicht jeder alles als sinnvoll und für seine Zwecke nützlich einschätzen, und so bleiben am Ende nach dem überall mal Reinschnuppern für manchen vielleicht nur noch wenige Anwendungen, für andere vielleicht keine mehr die es sich lohnt weiterzuverfolgen. Diese Entwicklung sollte als „normal“ betrachtet werden, denn die Geschwindigkeit in der immer neue und verbesserte Produkte zu Tage treten, ist dermaßen enorm, dass es nicht zu einem dauerhaften und permanenten Anstieg an Teilnehmern kommen kann. Hier sollte auch der Trägheit, die einem jeden Einzelnen inne wohnt nicht außer Acht gelassen werden.

Keiner sollte sich durch solche Bremsmanöver wie sie in dem vorliegenden Artikel,  oder durch Herrn Schirrmachers Buch befördert werden, in seinem Drang hin zu Neuem und dem Nachkommen seiner kindlichen Neugier zurückhalten lassen. Auch, und das habe ich ja bereits an anderer Stelle versucht deutlich zu machen, wenn am Ende nicht alles was entdeckt wurde, sich als sinnvolle und weiter zu verfolgende Errungenschaft herausstellt.

Nicht umsonst kommen die kritischsten Stimmen aus der Ecke der großen Zeitungsverlage. Und dort ist man ja schon lange kritisch gegenüber einem sich entwickelnden „Parallel-Journalismus“ eingestellt.

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