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Archive for Februar 2010

Erinnerungen an sexuellen Missbrauch

viaOpernregisseur Calixto Bieitos: Erinnerungen an sexuellen Missbrauch | Frankfurter Rundschau – Feuilleton.

Immer dann wenn sexueller Missbrauch in Verbindung mit Schulen, vornehmlich katholischen Internaten steht, geht ein Aufschrei durch die Medien und die Bevölkerung. Was aber genau ist „sexueller Missbrauch“? Es ist eine unter Strafe gestellte sexuelle Handlung an Menschen. Diese drückt sich besonders durch die Tatsache aus, dass ein Machtgefälle zwischen Täter und Opfer besteht und dieses ausgenutzt wird. In den häufigsten Fällen sind Schutzbefohlende (Schüler, Auszubildende, Kinder, Untergebene, Schwächere) die Opfer.
So wie es Herr Calixto Bieitos aus seinen Erfahrungen beschrieben hat, ist eher von sexueller Nötigung auszugehen. Denn es gibt Unterschiede und auch das Alter spielt dabei eine Rolle.

  • Bei Kindern unter 10 Jahren wird man noch kein starkes Interesse am Veränderungen des eigenen Körpers vermuten. Bei allen sexuellen Übergriffen auf diese Personengruppe wirkt die psychische Verstörung und der Ekel vor dem Geschehenen am längsten nach.
  • Sind die Kinder älter (Pubertät, Teenager) kann ein anderes Interesse am eigenen Körper vorausgesetzt werden. In solchen Fällen ist nicht selten von einverständlichen sexuellen Handlungen auszugehen, die aber deshalb nicht minder schwer zu verurteilen sind. Obwohl hier das Opfer sich nicht in jedem Fall in einer Opferrolle sieht. Es ist eine Unterscheidung gegenüber dem Handeln an jüngeren Opfern zu erkennen.
  • Eine nächste Differenz tritt dann auf, wenn von wissentlichem Einverständnis („ich habe es gewollt“) auszugehen ist. Dennoch liegt hier ein strukturelles Machtgefälle zwischen Erwachsenem und Minderjährigem vor, auch wenn dies von Befürworter der Pädosexualität bestritten wird.
  • Zudem gibt es, und das wird am häufigsten der Fall sein, dass jemand gegen seinen Willen missbraucht wird  und das in unterschiedlichen Auswüchsen von Tätlichkeiten. Von der körperlichen Berührung bis zur Vergewaltigung.

Alle diese Varianten sind abscheulich und gehen immer vom Täter aus, nicht selten unter Androhung oder Ausübung von Gewalt.

Viele Opfer, die heute Erwachsene sind, hatten selbst Erfahrungen mit einer der  hier dargestellten Abstufungenen des „sexuellen Missbrauchs“ während ihrer Kindheit oder als Jugendliche. Das muss sich nicht immer in Abhängigkeitsverhältnissen wie in Schule, Internat, Familie, etc. abgespielt haben. Sehr oft, und dies ist scheinbar nicht wirklich einer großen Öffenlichkeit bekannt, geschieht dies im Verborgenen, wobei dann ältere Jugendliche, junge Erwachsene, Bekannte, Nachbarn die Verursacher des Handelns sind.

Würde jede geschehene Missbrauchs-Handlung öffentlich, dann würde hier eine enorme Dunkelziffer ans Licht gebracht. Aber dies geschieht dann nicht, wenn es für die „Opfer“ nicht (mehr) relevant ist, d.h. wenn es dem „Täter“ nicht mehr vorzuwerfen ist. Oder diese Handlungen nicht als straftatwürdig und „schlimm“ empfunden wurden. Scham und peinliche Gefühle spielen natürlich auch eine Rolle für jemanden, der nicht damit an die Öffentlichkeit treten möchte.

Fest steht, man kann nicht vereinfacht von „sexuellem Missbrauch“ reden ohne hier die Hintergründe des Einzelfalls betrachtet zu haben.

Zu den Tätern.
Es sind nicht immer und in erster Linie Gewalt verursachende Menschen (Männer) die hier zu Tätern werden. Die Umstände (z.B. Zölibat bei Priestern) und das gesellschaftliche Umfeld (Internat) spielen hier eine große Rolle. Diese Menschen haben Probleme mit ihren Gefühlen klar zu kommen und /oder ein starkes unerfülltes sexuelles Verlangen das sie nicht regulär ausleben können. Das Verlangen sucht sich Opfer und vergeht sich an ihnen.
Ohne jemanden in Schutz nehmen zu wollen, ist es notwendig diesen „Tätern“ Hilfe anzubieten bevor sie in eine für sie verfängliche und ausweglose Situation kommen, die sie dann zu Straftätern macht.

Hilfe kann hier nur Prävention bedeuten. Zunächst einmal für alle, aber ganz besonders für bestimmte und häufig betroffene Personengruppen. Für Kinder müssen Gesprächsangebote in allen Altersgruppen angeboten werden. Ein gutes Beispiel ist das von Werner Stangl erstellte Arbeitsblatt , aber auch viele andere bestehende Angebote.

 Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sexueller_Missbrauch
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/SexuellerMissbrauch.shtml#top

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