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Archive for the ‘Literatur’ Category

Exzerpte eines Tages

(29.April 2010)

-1-

Nicht enttäuscht, doch auch
beglückt mich nicht der Zustand:
frei von Arbeit, bald.

-2-

Mein Glück verzückt mich,
springt hin und her zwischen mir,
findet nicht zu ihr.

-3-

Zukunft ein Wort. Doch:
Wohin wird sie mich bringen?
Paradies verstellt!

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Vom 09. bis 11. April 2010 fand im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg die diesjährige Tagung zum Fernkurs für Literatur II Die Welt erlesen statt. Eine Veranstaltung, die mit ganz konventionellen Mitteln gestaltet wurde, kein elektronischen Hilfsmittel waren im Einzatz. Auch mal ganz nett.

Vor Himmelspforten
Gedanken zur Literatur
Spaziergang am Main

Domina wird hier
vom Würzburger Pfaffenberg
getrunken, köstlich

Ich nahm zum ersten mal an einer solchen Veranstaltung teil und bin  sehr angenehm vom Verlauf und der Umsetzung der einzelnen Programmpunkte überrascht.

Besonders gut haben mir die Haikus gefallen. Mir war diese Form der japanischen Miniatur-Dichtkunst nicht neu, aber ich habe sie für mich wieder entdeckt. Und mich anregen lassen, mir eigene Haikus auszudenken.

An Himmelspforten
netten Menschen begegnet
Was folgt im Himmel?

Ich hoffe darauf, dass im nächsten Jahr, auch wenn vorerst kein Fernkurs III angeboten wird,  wieder eine Tagung stattfinden kann.

Das Exerzitienhaus (welch strenger Name), habe ich als ganz tolles Tagungshaus empfunden. Schöne, gut ausgestattete Zimmer und eine tolle Küche. Ohne Probleme war es möglich für mich alle Mahlzeiten mit einem glutenfreien Angebot auszustatten. Prima! Das habe so unkompliziert und selbstverständlich noch nicht erlebt.

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Revolution in der Gutenberg-Galaxis (Kultur, Aktuell, NZZ Online).

Mit dieser Überschrift hat die Publizistin und Autorin Cora Stephan heute einen bedenkenswerten Beitrag über die Zukunft des Buchhandels und Verlagswesens in der NZZ veröffentlicht. Interessant dabei ist, sie stellt fest, dass sich die Autoren weniger Sorgen um ihre Zukunft machen müssen, da es für Ihre Produkte in der Zukunft sinnvolle Modelle zur Veröffentlichung gibt:

Die Wiederbeatmung der Autoren aber kommt heute aus einer ganz anderen Richtung. Es wird Amazon sein, der Online-Handels-Riese, der das Bündnis zwischen Buchhandel, Verlagen und Autoren zerschlagen könnte. Amazon stellt seit kurzem eine Plattform zur Verfügung, auf der Autoren ihre Bücher selbst veröffentlichen können – und zwar auch ohne Verlag. Man will dabei die Autoren mit 70 Prozent am Erlös beteiligen (zum Vergleich: An den Buchhandel gehen bis anhin um die 50 Prozent). Auch Apple verhandelt momentan mit den sechs grössten amerikanischen Verlagsgruppen über ähnliche Konditionen. Eine Revolution? Zweifellos. Nur in Europa versucht man die Sache zu verschlafen.

Eine gute Idee zur Rettung des Vertriebssystems im Verlags- und Buchhandel hatte Ulf Erdmann Ziegler zu Anfang der Woche in der FAZ veröffentlicht. Er ruft dazu auf dem übermächtigen Konzernbuchhandel (wohl Thalia, DHB, Amazon, etc.) ein Gegengewicht entgegen zu setzen und macht dazu drei Vorschläge:

Drei Modelle bieten sich an für die Verlagsbuchhandlungen der Zukunft. Erstens der flagship store; zweitens das privat geführte Geschäft mit Ketten-Signet; drittens das Buchkaufhaus. Alle sollten im gleichen System aufgehen, ähnliche Privilegien genießen, die Gegenmacht zu den Konzernbuchläden bilden. Das darf nicht still und leise vor sich gehen, sondern muss mit großer Bestimmtheit durchgeführt werden. Die Leserinnen und Leser werden den Unterschied zu schätzen wissen.

Heute antwortet der Verleger Stefan Weidle auf diesen Beitrag ebenfalls in der FAZ (noch nicht online). Er regt einen Bestandsschutz des Inhaber geführten Qualitäts-Buchhandels ähnlich der Programmkinos an. Eine unabhängige Kommission (er schlägt hierzu die die staatlich geförderte Kurt WolffStiftung vor) soll eine Bewerbung der Buchhandlungen bewerten und mit einem Gütesiegel versehen. So kann der Kunde die Qualität direkt beim Betreten des jeweiligen Ladengeschäfts, oder der Internet-Verkaufsfläche erkennen. Eine gute, vielleicht brauchbare Idee, doch mit ist das alles zu viel Reglementierung. Ein „runder Tisch“ scheint notwendig zu werden. Der Buchhandel als kulturfördernde Instanz verdient alle Anstrengung zum Erhalt, aber bitte ohne weitere Gesetze.

Hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf meinen Blogbeitrag zu einem Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom Oktober 2009.

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Als die Kultur ins Netz ging: zehn Jahre Perlentaucher

Mit einem tollen Gratulationsbeitrag würdigt Jürgen Neffe im Tagesspiegel das 10-jährige Bestehen des Perlentauchers als Prinzip Zukunft. Und es ist ja auch wirklich toll was  Thierry Chervel und seine KollegInnen alles aufbereiten an Kulturnachrichten, Feuilletons, Karikaturen, internationale Magazin-Rundschauen, Buchbesprechungen, Mediennews und auch noch diverse Diskussionen anzetteln.

Ich genieße diesen Service schon die vollen zehn Jahre, und ich möchte ihn nicht mehr missen. Denn wer hat schon die Zeit, wirklich alle „guten“ Tageszeitungen zur Hand zu nehmen und das wirklich interessante herauszufischen. Eine tolle Dienstleistung im wahrsten Sinne des Wortes.

Einen wirklich lesenswerten Beitrag gibt es heute von Thierry Chervel, der einen Rückblick wagt und uns an eingetretenen Änderungen/Neuerungen während der zurückliegenden 10 Jahre teilhaben lässt. Sozusagen, wie sich die Kultur des Schreibens verändert hat, oder noch wird. Und hier ein Interview mit Thierry Chervel bei meedia.
In Ergänzung noch einen Artikel aus dem Tagesanzeiger (Zürich), der zwei (am 18.03.2010, 12:30h) gegensätzliche Kommentare enthält.

Ich wünsche dem Perlentaucher alles Gute für die Zukunft und auch weiterhin ein gutes Durchhaltevermögen und tolle Ideen, die uns alle bereichern werden/können.

viaAb in die Wundertüte.

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Verregnet war der Heilige Abend in Mainz. Nach dem überraschenden Wintereinbruch am vergangenen Wochenende ist der Schnee jetzt schon wieder weggeschmolzen. Eigentlich definiert sich Weihnachten ja nicht über das Wetter, aber die visuellen Eindrücke nehmen doch den größten Einfluss auf unser Gefühls- und Stimmungsverhalten.

Nun gut, das Jahr kommt zu seinem Ende. In den Zeitungen liegen schon vereinzelt die Jahresrückblicke bei. Man wird erinnert an den plötzlichen Tod von Michael Jackson. Wer erinnert sich noch daran, dass auch in diesem Jahr Charlie Mariano mit 85 Jahren gestorben ist?  Ein Musiker, der es verdient hätte um ein vielfaches bekannter zu sein als eben jener Jacko. Ebenfalls haben uns die Schriftsteller John Updike und Hugo Loetscher* verlassen. Sehr schade, denn bestenfalls wird man noch Veröffentlichungen aus dem Nachlass von ihnen zu lesen bekommen.
Achtzig Jahre alt geworden wäre Chet Baker  vor einigen Tagen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen wie er ausgesehen hätte mit 80 Jahren.

Man wird erinnert an das Geschehen auf Kriegsschauplätzen, Amokläufen in deutschen Schulen mit Todesfolgen und an andere Katastrophen.
Kulturelle und sportliche Höhepunkte dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Mich beschäftigen in den letzten Wochen einige Bücher von Philip Roth und Dieter Wellershoff.
Dieter Wellershoff hat mit „Der Himmel ist kein Ort“ ein sehr kluges Buch geschrieben.  Ein Buch, das einen jungen evangelischen Pfarrer in den Fokus nimmt und in dem der Autor mit 84 Jahren seine ganze Weisheit und Lebenserfahrung einbringt. Er stellt uns an die Seite des Pfarrers und lässt uns mit ihm an seiner nahezu ausweglosen Situation teilhaben und daran verzweifeln, dass wir wenn es darauf ankommt, doch oft auf uns alleine gestellt sind.  Wellershoff lässt den Pfarrer einen Kongress besuchen und u.a. sehr theologie-kritische Vorträge anhören.

Von Philip Roth wurde jetzt der Roman Portnoys Beschwerden neu übersetzt. Die erste Veröffentlichung liegt etwa 40 Jahre zurück. Hier erfahren wir über die Mitteilung des Alexander Portnoy an seinen Psychiater wie sehr er im Kopf von Kleinkind an von Sex besessen ist und wie der dies als Kind, Jugendlicher und junger Erwachsener auslebt. Als Sohn jüdischer Eltern gerät er früh in Gewissenskonflikte zwischen den Erwartungen des Elterhauses und dem neurotischen Verlangen. Jeder Mann, der dieses Buch als Erwachsener liest, sollte sich, wenn auch nur in kleinen Ausschnitten an das eigene Verlangen, mitunter die engene Verzweiflung in Kindheit, Pubertät und Adoleszenz erinnern können. Und Frauen werden Einblicke in das offene sexuelle Verlangen und Vorstellungsvermögen während der männlichen Entwicklung gegeben. Einfach verrückt!!!

Mit Jedermann führt uns Philip Roth zwei Lebensabschnitte weiter uns lässt mit seinem Protagonisten dessen Lebensstationen revue passieren und an der Angst vor Gebrechlichkeit und körperlichem Versagen im Alter teilhaben. Erschütternd und doch sehr wahrhaftig. Und natürlich richtig gut geschrieben.

Mit diesen Büchern lässt sich sehr viel erfahren, nahezu der gesamte menschliche Kosmos des modernen Menschen. Und das ist ja nicht wenig.

Mit diesen Gedanken möchte ich schließen und allen Lesern ein gutes Jahresende und alles Gute für das, hoffentlich für uns alle, schöne und interessante Jahr 2010 wünschen.

* irrtümlich wurde hier Walter Kempowski (bereits 2007 verstorben) genannt

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