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Archive for the ‘Verantwortung’ Category

So ist ein Beitrag von Josef Haslinger in der Welt vom 13. März 2010 überschrieben. Er berichtet aus eigenen Erfahrungen seiner Kindheit in katholischen Klosterschulen. Der Umgang mit pädophilen Lehrern und die Züchtigung der Schüler war an der Tagesordnung. Die Probleme, damit umzugehen, nicht darüber reden zu können, aber auch die Strategie die sich daraus entwickeln kann, jemanden damit in der Hand zu haben, erpressen zu können.
In den frühen achtiger Jahren hat er eine Erzählung mit dem Titel „Die plötzlichen Geschenke des Himmels“ darüber geschrieben. Die allerdings, wie er erklärt von der selbst erlebten Realität abweicht, lediglich seine Erfahrungen sind darin verarbeitet. Ansonsten ist es reine Fiktion.

Haslingers Beitrag zur jetzigen Zeit kann sehr hilfreich sein. Sein Hauptanliegen ist es neben dem Schutz der Kinder, den Tätern zu helfen, damit es in Zukunft nicht mehr zu solchen Handlungen kommt und möglichst keine Opfer mehr geben muss. Nicht nur das Verurteilen und Strafen bringt weiter, sondern der richtige Umgang mit Pädophilen in Schulen, Internaten und kirchlichen Einrichtung, aber auch Sportvereinen, etc. ist wichtig. Vorbeugend für Abhilfe zu sorgen muss das Ziel sein.

Und hier ein Zitat aus seinem Artikel:

Es liegt mir daran, in einem Moment, in dem alle Welt sich plötzlich über solche Vorgänge entrüstet, als hätten sie keine Tradition, nicht nur über die Verstörung, sondern über alle Gefühle Auskunft zu geben. Gefühle, die man gehabt hat, sollte man im Nachhinein nicht einfach zugunsten einer moralischen Entrüstung abschütteln, als hätte es sie nicht gegeben. Es war nicht nur eine Last, ein solches Geheimnis zu haben, es war auch etwas Besonderes.

Es sollte sich jetzt eine Diskussion anschließen, die weiterführt. Erfahrungen, wie die von Josef Haslinger u.a. müssen bei der Aufbereitung herangezogen werden um Wiederholungen vermeiden zu können und einen fairen Umgang mit den Beteiligten zu ermöglichen.

Da Josef Haslinger in diesem Jahr Stadtschreiber von Mainz  ist, wünsche ich mir auch hier eine Diskussion mit ihm. Im Bistum Mainz gab es in der Vergangenheit ebenfalls Fälle von sexuellen Handlungen an und mit Schülern, also auch hier (Er-)Klärungsbedarf.

Dass der Beitrag, den die Welt abdruckte in deren Redaktion  Diskussionen ausgelöst hat, kann ich verstehen und finde es richtig und gut, dass die Skeptiker eine Veröffentlichung nicht verhindern konnten.

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Erinnerungen an sexuellen Missbrauch

viaOpernregisseur Calixto Bieitos: Erinnerungen an sexuellen Missbrauch | Frankfurter Rundschau – Feuilleton.

Immer dann wenn sexueller Missbrauch in Verbindung mit Schulen, vornehmlich katholischen Internaten steht, geht ein Aufschrei durch die Medien und die Bevölkerung. Was aber genau ist „sexueller Missbrauch“? Es ist eine unter Strafe gestellte sexuelle Handlung an Menschen. Diese drückt sich besonders durch die Tatsache aus, dass ein Machtgefälle zwischen Täter und Opfer besteht und dieses ausgenutzt wird. In den häufigsten Fällen sind Schutzbefohlende (Schüler, Auszubildende, Kinder, Untergebene, Schwächere) die Opfer.
So wie es Herr Calixto Bieitos aus seinen Erfahrungen beschrieben hat, ist eher von sexueller Nötigung auszugehen. Denn es gibt Unterschiede und auch das Alter spielt dabei eine Rolle.

  • Bei Kindern unter 10 Jahren wird man noch kein starkes Interesse am Veränderungen des eigenen Körpers vermuten. Bei allen sexuellen Übergriffen auf diese Personengruppe wirkt die psychische Verstörung und der Ekel vor dem Geschehenen am längsten nach.
  • Sind die Kinder älter (Pubertät, Teenager) kann ein anderes Interesse am eigenen Körper vorausgesetzt werden. In solchen Fällen ist nicht selten von einverständlichen sexuellen Handlungen auszugehen, die aber deshalb nicht minder schwer zu verurteilen sind. Obwohl hier das Opfer sich nicht in jedem Fall in einer Opferrolle sieht. Es ist eine Unterscheidung gegenüber dem Handeln an jüngeren Opfern zu erkennen.
  • Eine nächste Differenz tritt dann auf, wenn von wissentlichem Einverständnis („ich habe es gewollt“) auszugehen ist. Dennoch liegt hier ein strukturelles Machtgefälle zwischen Erwachsenem und Minderjährigem vor, auch wenn dies von Befürworter der Pädosexualität bestritten wird.
  • Zudem gibt es, und das wird am häufigsten der Fall sein, dass jemand gegen seinen Willen missbraucht wird  und das in unterschiedlichen Auswüchsen von Tätlichkeiten. Von der körperlichen Berührung bis zur Vergewaltigung.

Alle diese Varianten sind abscheulich und gehen immer vom Täter aus, nicht selten unter Androhung oder Ausübung von Gewalt.

Viele Opfer, die heute Erwachsene sind, hatten selbst Erfahrungen mit einer der  hier dargestellten Abstufungenen des „sexuellen Missbrauchs“ während ihrer Kindheit oder als Jugendliche. Das muss sich nicht immer in Abhängigkeitsverhältnissen wie in Schule, Internat, Familie, etc. abgespielt haben. Sehr oft, und dies ist scheinbar nicht wirklich einer großen Öffenlichkeit bekannt, geschieht dies im Verborgenen, wobei dann ältere Jugendliche, junge Erwachsene, Bekannte, Nachbarn die Verursacher des Handelns sind.

Würde jede geschehene Missbrauchs-Handlung öffentlich, dann würde hier eine enorme Dunkelziffer ans Licht gebracht. Aber dies geschieht dann nicht, wenn es für die „Opfer“ nicht (mehr) relevant ist, d.h. wenn es dem „Täter“ nicht mehr vorzuwerfen ist. Oder diese Handlungen nicht als straftatwürdig und „schlimm“ empfunden wurden. Scham und peinliche Gefühle spielen natürlich auch eine Rolle für jemanden, der nicht damit an die Öffentlichkeit treten möchte.

Fest steht, man kann nicht vereinfacht von „sexuellem Missbrauch“ reden ohne hier die Hintergründe des Einzelfalls betrachtet zu haben.

Zu den Tätern.
Es sind nicht immer und in erster Linie Gewalt verursachende Menschen (Männer) die hier zu Tätern werden. Die Umstände (z.B. Zölibat bei Priestern) und das gesellschaftliche Umfeld (Internat) spielen hier eine große Rolle. Diese Menschen haben Probleme mit ihren Gefühlen klar zu kommen und /oder ein starkes unerfülltes sexuelles Verlangen das sie nicht regulär ausleben können. Das Verlangen sucht sich Opfer und vergeht sich an ihnen.
Ohne jemanden in Schutz nehmen zu wollen, ist es notwendig diesen „Tätern“ Hilfe anzubieten bevor sie in eine für sie verfängliche und ausweglose Situation kommen, die sie dann zu Straftätern macht.

Hilfe kann hier nur Prävention bedeuten. Zunächst einmal für alle, aber ganz besonders für bestimmte und häufig betroffene Personengruppen. Für Kinder müssen Gesprächsangebote in allen Altersgruppen angeboten werden. Ein gutes Beispiel ist das von Werner Stangl erstellte Arbeitsblatt , aber auch viele andere bestehende Angebote.

 Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sexueller_Missbrauch
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/SexuellerMissbrauch.shtml#top

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Was die Schweizer Wählerinnen und Wähler am 29. November 2009 mit ihrem Abstimmungsergebnis von 57,5% für ein Verbot des Baus weiterer Minarette an islamischen Gebetshäusern geleistet haben, ist wirklich der Hammer. Sie haben die Faust in der Tasche geöffnet und einem Druck nachgegeben der nicht dem Ansinnen einer aufgeklärten Gesellschaft entspricht.

Viele Schweizer leben im Ausland. Man stelle sich vor, sie werden an der Ausübung ihres Glaubens gehindert, was vielleicht auch schon vorgekommen sein mag. Wie fühlen sie sich dabei? Diese Frage haben die Allerwenigsten bei der gestrigen Abstimmung  nicht bedacht. Schade!

Unsere Gesellschaft wird tagtäglich mit Informationen überschwemmt, ein reichliches Angebot zur ausgewogenen Meinungsbildung und doch können Populisten mit einfachen PLAKATativen Argumenten und Statements á la BILD und BLICK die Mehrheit für sich einnehmen. Ein trauriges Stück Gegenwart.

Man wünschte sich Bert Brecht herbei, daraus ein Lehrstück zu machen, oder Urs Widmer. Aber wer lernte dann etwas daraus?

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Gestern Abend war ich gegen 22 Uhr mit dem Fahrrad unterwegs. Auf meiner Strecke bemerkte ich etwa fünf oder sechs weitere Radfahrer und diese waren alle ohne eingeschaltete Beleuchtung an ihrem Rad unterwegs.  Da kann man sich nur an den Kopf fassen.
Ein Bundespräsident fordert dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und dabei sind die wenigsten in der Lage dies für sich selbst zu tun. Vergangenen Samstag gab es im Programm von hr2, wie jeden Samstag, die Sendung kontrovers mit dem Thema „Bloß nicht ich – die verantwortungslose Republik“ (diese Sendung kann man auch jetzt noch als Podcast anhören). Dort wurde an vielen Beispielen aufgezeigt wie verantwortungslos wir, oder jedenfalls sehr vielevon uns sich verhalten.

„Nur wer früh lernt, Verantwortung zu übernehmen, wird später ein wichtiges und verlässliches Mitglied unserer demokratischen Gesellschaft sein können.“ So heißt es beispielsweise im Schulprogramm einer reformpädagogisch orientierten Schule. Verantwortung übernehmen: Das heißt, sich selbst Rechenschaft über seine Taten abzulegen, heißt, Selbstbestimmung. Wie kann das Entstehen von verantwortlichem Handeln gefördert werden? Wie entstehen Selbstbilder und Rollenmodelle, die verantwortliches Handeln verhindern?

Das von mir oben genannte Beispiel der Radfahrer lässt sich vieltausendfach auf Autofahrer übertragen:

  • Telefonieren während der Fahrt ohne Freisprechanlage
  • Kein Betätigen des Blinkers beim Abbiegen
  • Wenden auf der Fahrbahn bei zwei durchgezogenen Linien, etc.

Und dies sind Teilaspekte unseres Verhaltens, die Egoismus in den Vordergrund stellen.

Unsere gewählten Politiker und die upper class der Wirtschaftsunternehmen, sie versagen hier gänzlich als beispielgebende Vorbilder. Da werden Entscheidungen über Milliardenbeträge getroffen, z.B. Staatsbeteiligung an Unternehmen, Abwrackprämie, u.s.w., wobei dieses Geld 1. nicht wirklich vorhanden ist und 2. an anderen Stellen wie Bildung, Gesundheitsversorgung sinnvoller einzusetzen wäre.

Und unser Bundespräsident findet das auch noch alles gut und richtig und stellt in Aussicht, dass die Automobilindustrie, die ja bekanntermaßen die besten Autos baut , in Zukunft noch bessere auf den Markt bringen wird und sogar umweltverträglich und klimaneutral. Dieser Industriezweig hat das in der Vergangenheit nicht geschafft und wird es auch in absehbarer Zeit nicht verwirklichen. Da zeigt sich doch mal wieder wie wirtschaftsgesteuert unsere Politik ist.

Mehr als vor seiner eigenen Haustüre zu kehren und sich zur Beruhigung des Gewissens in sozialen und umweltrelevanten Projekten zu engagieren, und vor allem Kinder zu selbständigem und nachhaltigem Denken zu erziehen, bleibt dem Einzelnen nicht. Und diese Bereitschaft sehe ich nicht bei einem großen Teil der Bevölkerung.

Sind wir also zum Verdeppen verdammt?

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