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Archive for the ‘Medien’ Category

Revolution in der Gutenberg-Galaxis (Kultur, Aktuell, NZZ Online).

Mit dieser Überschrift hat die Publizistin und Autorin Cora Stephan heute einen bedenkenswerten Beitrag über die Zukunft des Buchhandels und Verlagswesens in der NZZ veröffentlicht. Interessant dabei ist, sie stellt fest, dass sich die Autoren weniger Sorgen um ihre Zukunft machen müssen, da es für Ihre Produkte in der Zukunft sinnvolle Modelle zur Veröffentlichung gibt:

Die Wiederbeatmung der Autoren aber kommt heute aus einer ganz anderen Richtung. Es wird Amazon sein, der Online-Handels-Riese, der das Bündnis zwischen Buchhandel, Verlagen und Autoren zerschlagen könnte. Amazon stellt seit kurzem eine Plattform zur Verfügung, auf der Autoren ihre Bücher selbst veröffentlichen können – und zwar auch ohne Verlag. Man will dabei die Autoren mit 70 Prozent am Erlös beteiligen (zum Vergleich: An den Buchhandel gehen bis anhin um die 50 Prozent). Auch Apple verhandelt momentan mit den sechs grössten amerikanischen Verlagsgruppen über ähnliche Konditionen. Eine Revolution? Zweifellos. Nur in Europa versucht man die Sache zu verschlafen.

Eine gute Idee zur Rettung des Vertriebssystems im Verlags- und Buchhandel hatte Ulf Erdmann Ziegler zu Anfang der Woche in der FAZ veröffentlicht. Er ruft dazu auf dem übermächtigen Konzernbuchhandel (wohl Thalia, DHB, Amazon, etc.) ein Gegengewicht entgegen zu setzen und macht dazu drei Vorschläge:

Drei Modelle bieten sich an für die Verlagsbuchhandlungen der Zukunft. Erstens der flagship store; zweitens das privat geführte Geschäft mit Ketten-Signet; drittens das Buchkaufhaus. Alle sollten im gleichen System aufgehen, ähnliche Privilegien genießen, die Gegenmacht zu den Konzernbuchläden bilden. Das darf nicht still und leise vor sich gehen, sondern muss mit großer Bestimmtheit durchgeführt werden. Die Leserinnen und Leser werden den Unterschied zu schätzen wissen.

Heute antwortet der Verleger Stefan Weidle auf diesen Beitrag ebenfalls in der FAZ (noch nicht online). Er regt einen Bestandsschutz des Inhaber geführten Qualitäts-Buchhandels ähnlich der Programmkinos an. Eine unabhängige Kommission (er schlägt hierzu die die staatlich geförderte Kurt WolffStiftung vor) soll eine Bewerbung der Buchhandlungen bewerten und mit einem Gütesiegel versehen. So kann der Kunde die Qualität direkt beim Betreten des jeweiligen Ladengeschäfts, oder der Internet-Verkaufsfläche erkennen. Eine gute, vielleicht brauchbare Idee, doch mit ist das alles zu viel Reglementierung. Ein „runder Tisch“ scheint notwendig zu werden. Der Buchhandel als kulturfördernde Instanz verdient alle Anstrengung zum Erhalt, aber bitte ohne weitere Gesetze.

Hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf meinen Blogbeitrag zu einem Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom Oktober 2009.

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Als die Kultur ins Netz ging: zehn Jahre Perlentaucher

Mit einem tollen Gratulationsbeitrag würdigt Jürgen Neffe im Tagesspiegel das 10-jährige Bestehen des Perlentauchers als Prinzip Zukunft. Und es ist ja auch wirklich toll was  Thierry Chervel und seine KollegInnen alles aufbereiten an Kulturnachrichten, Feuilletons, Karikaturen, internationale Magazin-Rundschauen, Buchbesprechungen, Mediennews und auch noch diverse Diskussionen anzetteln.

Ich genieße diesen Service schon die vollen zehn Jahre, und ich möchte ihn nicht mehr missen. Denn wer hat schon die Zeit, wirklich alle „guten“ Tageszeitungen zur Hand zu nehmen und das wirklich interessante herauszufischen. Eine tolle Dienstleistung im wahrsten Sinne des Wortes.

Einen wirklich lesenswerten Beitrag gibt es heute von Thierry Chervel, der einen Rückblick wagt und uns an eingetretenen Änderungen/Neuerungen während der zurückliegenden 10 Jahre teilhaben lässt. Sozusagen, wie sich die Kultur des Schreibens verändert hat, oder noch wird. Und hier ein Interview mit Thierry Chervel bei meedia.
In Ergänzung noch einen Artikel aus dem Tagesanzeiger (Zürich), der zwei (am 18.03.2010, 12:30h) gegensätzliche Kommentare enthält.

Ich wünsche dem Perlentaucher alles Gute für die Zukunft und auch weiterhin ein gutes Durchhaltevermögen und tolle Ideen, die uns alle bereichern werden/können.

viaAb in die Wundertüte.

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„Die Stasi war eine Organisation wie Google“

via Interview mit US-Soziologe Sennett: „Die Stasi war eine Organisation wie Google“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Netzwelt.

In der letzten Woche hatte der Spiegel bereits ein Titelthema zu Google. Und am Donnerstag legte die Zeit nach.

Diese Hysterie gegenüber Google kann ich nicht verstehen: Nicht zuletzt durch die Medien wurde der Konzern zu dem was er jetzt darstellt. Als kleines Unternehmen ist man mit einer neuen Suchmaschinen-Technologie im September 1998 online gegangen. Und ganz schnell waren ganz viele davon begeistert, so dass bald das Adjektiv „googeln“ in unserem alltäglichen Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken war.
Zu Googles Suchmaschine gab es schon immer Alternativen und diese gibt es auch noch heute. Nur die Bequemlichkeit des Menschen ist auch gleichzeitig seine Trägheit und so verlässt er sich auf den einen Anbieter. Google hat das geschickt ausgenutzt und Werbung auf seinen Seiten plaziert, die ihn rasch zu einer Größe an der Börse machten. Schnell und immer schneller kamen andere Anwendungen dazu und (fast) jeder war und ist begeistert. Außer neuerdings die Medienkonzerne, vorwiegend Printmedien, nicht mehr, denn sie sehen sich plötzlich in Kokurrenz zum Suchmaschinen-Giganten, da ihnen die Anzeigekunden und Abonnenten abhanden kommen. Viele Internetnutzer verlassen sich auf die von z.B Google News angebotenen Nachrichten.

Und jetzt, da man kalte Füße bekommen hat, ist man zu der Überzeugung gekommen das zuvor so geliebte Kind als den Teufel schlechthin darzustellen.
In dem hier zitierten Interview mit dem Soziologen Richard Sennett stecken viele Wahrheiten und begründete Ängste, doch der Aufmacher kommt in übelster BILD-Manier daher. Man könnte auch übertiteln können: „Soziologe Sennett äußert sich kritisch zu Google und Facebook“. Aber die aus dem Zusammenhang gerissenen plakativen Zitate geben scheinbar mehr her.

Wollen die Printmedien (Tages- und Wochenzeitungen, Magazine) weiterhin ernsthaft wahrgenommen werden, dann sollten sie sich etwas mehr um Ausgewogenheit bemühen. In der Zeit spricht Susanne Gaschke gar vom Google-Wahn. Vielleicht hätte man etwas früher darüber aufklären sollen, welche Gefahren hinter bestimmten Anwendungen versteckt sein können und wieso man sich diesen gegenüber kritisch verhalten sollte.

Google ist alleine durch unsere Begeisterung für seine Produkte und gleichzeitig wegen unserer Gleichgültigkeit gegenüber Alternativen so groß und mächtig geworden. Die Hilferufe aus den Medien wirken putzig und lächerlich.

Und nebenbei bemerkt: (Fast) Alle verlinken, wenn es um Bücher und Rezensionen geht auf die Seiten von Amazon. Das wird/kann bald zur Folge haben, dass eben jene sich über den Niedergang des heimischen Buchhandels beklagen wollen.

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Was die Schweizer Wählerinnen und Wähler am 29. November 2009 mit ihrem Abstimmungsergebnis von 57,5% für ein Verbot des Baus weiterer Minarette an islamischen Gebetshäusern geleistet haben, ist wirklich der Hammer. Sie haben die Faust in der Tasche geöffnet und einem Druck nachgegeben der nicht dem Ansinnen einer aufgeklärten Gesellschaft entspricht.

Viele Schweizer leben im Ausland. Man stelle sich vor, sie werden an der Ausübung ihres Glaubens gehindert, was vielleicht auch schon vorgekommen sein mag. Wie fühlen sie sich dabei? Diese Frage haben die Allerwenigsten bei der gestrigen Abstimmung  nicht bedacht. Schade!

Unsere Gesellschaft wird tagtäglich mit Informationen überschwemmt, ein reichliches Angebot zur ausgewogenen Meinungsbildung und doch können Populisten mit einfachen PLAKATativen Argumenten und Statements á la BILD und BLICK die Mehrheit für sich einnehmen. Ein trauriges Stück Gegenwart.

Man wünschte sich Bert Brecht herbei, daraus ein Lehrstück zu machen, oder Urs Widmer. Aber wer lernte dann etwas daraus?

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Ständig ist es irgendwo zu vernehmen, dass die großen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage wegen Umsatzrückgang klagen und den freien Journalismus des Internet beschuldigen daran eine Mitschuld zu haben. Heute ist im Freitag mit der Überschrift Öffentlichkeit 2.0  ein Dossier von Jakob Augstein zu finden, der auf der einen Seite aufzeigt wie viel zum Beispiel beim Axel Springer Verlag verdient wird und dann anführt welche Erklärungen und Appelle für den Erhalt des status quo der Öffentlichkeit 1.0 verabschiedet wurden. Diese sind nicht in erster Linie für etwas, sondern sprechen sich gegen z.B. Google, ARD und ZDF, etc. aus. Und dann noch das Internet-Manifest der Blogger gegen Alle (ha-ha!).
Die Vorstellung dass zukünftig Journalisten und Blogger zusammenarbeiten müssten ist irgendwie nicht nachvollziehbar. Denn schließlich sind Journalisten schon längst Blogger und umgekehrt. Eben nur nicht immer für die Verlage tätig.

Wenn der Burda Verlag das Fragen-Antwort-Portal Lycos IQ übernimmt -> jetzt COSMIQ, dann fragt man sich, was geht da ab? Als angemeldeter Nutzer merkte ich dies erst nachdem die Zensur zugeschlagen hatte. (Ich durfte eine Frage über mögliche Gründe warum sich eine Schwangerschaft nicht einstellt, nicht beantworten. Die Frage wurde verbannt.) Ich meldete mich prompt ab und bat um eine Kündigungsbestätigung auf die ich noch heute warte.

Der nächste Coup von Burda heisst Xing. Dort wurde der Verlag zu 25% Eigentümer. Ob ich mich auch dort bald abmelde?

Ich weiss nicht, ob das Klagen dieser Verlagshäuser noch lange mit ihrem Geschäftsgebahren des immer größer werden wollens Schritt halten kann. Staatliche Schutzrechte und Bestandsgarantien für deren Produkte sollten für solche Unternehmen ausgeschlossen sein.

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