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Posts Tagged ‘Literatur’

Vom 09. bis 11. April 2010 fand im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg die diesjährige Tagung zum Fernkurs für Literatur II Die Welt erlesen statt. Eine Veranstaltung, die mit ganz konventionellen Mitteln gestaltet wurde, kein elektronischen Hilfsmittel waren im Einzatz. Auch mal ganz nett.

Vor Himmelspforten
Gedanken zur Literatur
Spaziergang am Main

Domina wird hier
vom Würzburger Pfaffenberg
getrunken, köstlich

Ich nahm zum ersten mal an einer solchen Veranstaltung teil und bin  sehr angenehm vom Verlauf und der Umsetzung der einzelnen Programmpunkte überrascht.

Besonders gut haben mir die Haikus gefallen. Mir war diese Form der japanischen Miniatur-Dichtkunst nicht neu, aber ich habe sie für mich wieder entdeckt. Und mich anregen lassen, mir eigene Haikus auszudenken.

An Himmelspforten
netten Menschen begegnet
Was folgt im Himmel?

Ich hoffe darauf, dass im nächsten Jahr, auch wenn vorerst kein Fernkurs III angeboten wird,  wieder eine Tagung stattfinden kann.

Das Exerzitienhaus (welch strenger Name), habe ich als ganz tolles Tagungshaus empfunden. Schöne, gut ausgestattete Zimmer und eine tolle Küche. Ohne Probleme war es möglich für mich alle Mahlzeiten mit einem glutenfreien Angebot auszustatten. Prima! Das habe so unkompliziert und selbstverständlich noch nicht erlebt.

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Verregnet war der Heilige Abend in Mainz. Nach dem überraschenden Wintereinbruch am vergangenen Wochenende ist der Schnee jetzt schon wieder weggeschmolzen. Eigentlich definiert sich Weihnachten ja nicht über das Wetter, aber die visuellen Eindrücke nehmen doch den größten Einfluss auf unser Gefühls- und Stimmungsverhalten.

Nun gut, das Jahr kommt zu seinem Ende. In den Zeitungen liegen schon vereinzelt die Jahresrückblicke bei. Man wird erinnert an den plötzlichen Tod von Michael Jackson. Wer erinnert sich noch daran, dass auch in diesem Jahr Charlie Mariano mit 85 Jahren gestorben ist?  Ein Musiker, der es verdient hätte um ein vielfaches bekannter zu sein als eben jener Jacko. Ebenfalls haben uns die Schriftsteller John Updike und Hugo Loetscher* verlassen. Sehr schade, denn bestenfalls wird man noch Veröffentlichungen aus dem Nachlass von ihnen zu lesen bekommen.
Achtzig Jahre alt geworden wäre Chet Baker  vor einigen Tagen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen wie er ausgesehen hätte mit 80 Jahren.

Man wird erinnert an das Geschehen auf Kriegsschauplätzen, Amokläufen in deutschen Schulen mit Todesfolgen und an andere Katastrophen.
Kulturelle und sportliche Höhepunkte dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Mich beschäftigen in den letzten Wochen einige Bücher von Philip Roth und Dieter Wellershoff.
Dieter Wellershoff hat mit „Der Himmel ist kein Ort“ ein sehr kluges Buch geschrieben.  Ein Buch, das einen jungen evangelischen Pfarrer in den Fokus nimmt und in dem der Autor mit 84 Jahren seine ganze Weisheit und Lebenserfahrung einbringt. Er stellt uns an die Seite des Pfarrers und lässt uns mit ihm an seiner nahezu ausweglosen Situation teilhaben und daran verzweifeln, dass wir wenn es darauf ankommt, doch oft auf uns alleine gestellt sind.  Wellershoff lässt den Pfarrer einen Kongress besuchen und u.a. sehr theologie-kritische Vorträge anhören.

Von Philip Roth wurde jetzt der Roman Portnoys Beschwerden neu übersetzt. Die erste Veröffentlichung liegt etwa 40 Jahre zurück. Hier erfahren wir über die Mitteilung des Alexander Portnoy an seinen Psychiater wie sehr er im Kopf von Kleinkind an von Sex besessen ist und wie der dies als Kind, Jugendlicher und junger Erwachsener auslebt. Als Sohn jüdischer Eltern gerät er früh in Gewissenskonflikte zwischen den Erwartungen des Elterhauses und dem neurotischen Verlangen. Jeder Mann, der dieses Buch als Erwachsener liest, sollte sich, wenn auch nur in kleinen Ausschnitten an das eigene Verlangen, mitunter die engene Verzweiflung in Kindheit, Pubertät und Adoleszenz erinnern können. Und Frauen werden Einblicke in das offene sexuelle Verlangen und Vorstellungsvermögen während der männlichen Entwicklung gegeben. Einfach verrückt!!!

Mit Jedermann führt uns Philip Roth zwei Lebensabschnitte weiter uns lässt mit seinem Protagonisten dessen Lebensstationen revue passieren und an der Angst vor Gebrechlichkeit und körperlichem Versagen im Alter teilhaben. Erschütternd und doch sehr wahrhaftig. Und natürlich richtig gut geschrieben.

Mit diesen Büchern lässt sich sehr viel erfahren, nahezu der gesamte menschliche Kosmos des modernen Menschen. Und das ist ja nicht wenig.

Mit diesen Gedanken möchte ich schließen und allen Lesern ein gutes Jahresende und alles Gute für das, hoffentlich für uns alle, schöne und interessante Jahr 2010 wünschen.

* irrtümlich wurde hier Walter Kempowski (bereits 2007 verstorben) genannt

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